Es ist sehr erfreulich, dass auch in diesem Jahr wieder viele Züchter und Besitzer den Aufwand auf sich genommen haben, um ihre Stuten bei der Stutenleistungsprüfung vorzustellen. Die Vorstellung unter dem Sattel bietet der Stute nicht nur wertvolle Erfahrungen, sondern liefert auch wichtige Informationen, die für den Zucht- und Sporteinsatz von großem Wert sind.
Altersentwicklung
Früher wurden die meisten Stuten im Alter von drei Jahren geprüft. Heutzutage ist die Mehrzahl der geprüften Stuten vierjährig (siehe Grafik). Immer häufiger werden auch ältere Stuten vorgestellt. Die teilnehmenden Stuten können bis zu einem Alter von sechs Jahren mit der Hauptprämie ausgezeichnet werden.
Teilweise sind die Prüfungen im Frühjahr für dreijährige, frisch angerittene Pferde noch etwas früh. Viele Züchter haben daher gute Erfahrungen gemacht, die Stuten entweder im Frühjahr kurz anzureiten und dann wieder auf die Weide zu stellen oder erst nach der Weidesaison im Herbst mit dem Anreiten zu beginnen. Welcher Weg am besten ist, entscheidet das Pferd.
Vorteile für die Zucht
Die Stutenleistungsprüfungen gelten als starkes Selektionsmittel, da sie nah am Zuchtziel orientiert sind, welches sich am Sportpferd ausrichtet. Schon im jungen Alter bieten diese Prüfungen eine wertvolle Einschätzung des Exterieurs, der Veranlagung der einzelnen Grundgangarten und der Rittigkeit. Darüber hinaus können Eindrücke der Stuten in einer fremden Umgebung gesammelt werden, wodurch die Besitzer zusätzliche Informationen über die Charaktereigenschaften der Stuten erhalten, die oft noch sehr grün und unerfahren sind.
Die Richternoten in Kombination mit der linearen Beschreibung reflektieren die Stärken und Schwächen der Stuten. Ein perfektes Hilfsmittel für zukünftige Anpaarungen, um so Stärken zu sichern und mögliche Schwächen der Stute zu kompensieren.
Sehr erfreulich ist es für Züchter und Besitzer, wenn die Prüfung mit einer Prämie oder einer Nominierung für die Elite-Stutenschau in Rastede honoriert wird, die aber nur Oldenburger Stuten vorbehalten ist. Die unterschiedlichen Prämierungen werden wie folgt unterteilt: Verbandsprämien-, Hauptprämien- und Elite-Stute. Das Prädikat Elite-Stute kann nur über sportliche Eigenleistung oder die der Nachkommen erhalten werden. Die Prädikate stellen eine wertvolle Ergänzung für den Mutterstamm dar, da diese im Pedigree aufgenommen werden.
Die Oldenburger Hauptprämie (früher Staatsprämie) wird ausschließlich an leistungsgeprüfte Stuten verliehen und gilt als hoch angesehener Leistungsnachweis. Eine Verbandsprämie kann sowohl bei der Stutenleistungsprüfung als auch bei der Ersteintragung auf einem Prämierungstermin mit Fohlen bei Fuß vergeben werden. Daher ist der Titel Verbandsprämie nicht zwangsläufig mit einer Prüfung unter dem Sattel verbunden.
Generell sind solche Auszeichnung wie die Hauptprämie sowie der Titel Elitestute besonders interessant für Neuzüchter oder Kunden, die auf der Suche nach leistungsgeprüften Stuten oder deren prämierten Nachkommen sind.
Rittigkeit
Als Bestandteil der Prüfung unter dem Sattel werden die Stuten von einem Fremdreiter auf ihre Rittigkeit überprüft. Dabei wird beurteilt, wie gut die Stute die Sitz-, Bein- und Zügelhilfen des Reiters annimmt und umsetzt. Zudem wird die Anlehnung geprüft und bewertet und inwieweit das Pferd bereits in der Lage ist, in der Balance zu bleiben. Neben der Qualität der Grundgangarten ist dies ein wichtiger und informativer Bestandteil der Prüfung. Rittige Pferde, die sich vom Reiter „formen“ lassen, sind sowohl im Sport als auch bei Freizeitreitern sehr gefragt.
Sehr erfreulich ist auch, dass viele Stuten besonders durch ihre Rittigkeit positiv aufgefallen sind. Oft spielen die Stutenstämme hierbei eine große Rolle. Nach dem Motto „von Reitpferden kommen Reitpferde“ zeigt sich häufig, dass Pferde aus Stutenstämmen, die über Generationen hinweg für ihre Rittigkeit bekannt sind, gut bewertet werden. Ein großes Lob an unsere Züchter, die bereits seit Generationen Zeit, Mühe und Kosten in einen guten Beritt und eine gute Ausbildung der Pferde investieren! Dieses Jahr wurden sogar elf Stuten mit einer Rittigkeitsnote von 9,0 oder höher bewertet (siehe Tabelle). Die Mütter der Stuten in dieser Tabelle wurden fast alle Leistungsgeprüft oder in Reitpferdeprüfungen vorgestellt.
Die Stute First Vaiana v. Lord Europe ist eine Tochter der First Vienna v. Vitalis, die selbst hohe Rittigkeitsnoten in ihrer Stutenleistungsprüfung erlangen konnte und mittlerweile mit Lucie-Anouk Baumgürtel siegreich in Prix St. Georges Special Prüfungen ist. First Vaiana wurde in der Rittigkeit mit der Idealnote 10,0 bewertet.
Auch die Mutter der zweiplatzierten Sazou v. Zenon, die eine Rittigkeitsnote von 9,5 erhielt, wurde erfolgreich bei ihrer Stutenleistungsprüfung vorgestellt und beeindruckte ebenfalls mit einer hohen Rittigkeit.
Marcus Busch ist seit 13 Jahren ein fester Bestandteil des Fremdreiter-Teams bei den Stutenleistungsprüfungen im Oldenburger Pferde Zentrum Vechta und berichtet: „In den letzten Jahren hat sich die Rittigkeit der Stuten nochmals verbessert. Dies gilt auch für das Interieur, die Züchter haben sich damit besonders intensiv auseinandergesetzt. Für mich hat die Rittigkeit sicher eine genetische Komponente. Nicht umsonst gibt es immer wieder Hengste oder Stutenlinien, die Pferde hervorbringen, die sich besonders gut reiten lassen.“
Als Sprungbrett für den Sport
Neben wichtigen Informationen, die für die Zucht gewonnen werden können, gelten die Stutenleistungsprüfungen auch häufig als Sprungbrett für den Sport und/oder die Vermarktung. Auf unserer Homepage finden Sie eine Liste mit den Brillantringstuten der vergangenen Jahre. Viele der Stuten, die hier gelistet sind, haben danach eine erfolgreiche Karriere im Sport abgelegt. Darunter befinden sich Bundeschampionessen, Medaillengewinnerinnen der WM für junge Dressurpferde, Stuten die Platzierungen in der Klasse S und internationalem Grand Prix vorweisen können und als Höhepunkt gilt die Olympiasiegerin Weihegold OLD.
Eine wertvollere Bestätigung für diese Selektionsveranstaltungen können wir uns nicht wünschen. Qualitätsvolle, rittige Reitpferde bleiben auch in Zukunft sehr gefragt. Dies ist ein Aushängeschild der Oldenburger Zucht, wobei es besonders wünschenswert ist, wenn die erfolgreichen Stuten früher oder später auch in der Zucht zum Einsatz kommen.
Rastede
Auf der Elite-Stutenschau in Rastede am 25. Juli gehen 42 Dressurstuten an den Start. Nicht weniger als drei Teilnehmerinnen führen Mütterlicherseits direkt zurück auf die Stute Puppenfee v. Plaisir d’Amour von der Familie Budeus-Wiegert. Sie war damals selbst Reserve-Siegerstute Rastede 1997 und 1C Europa-Stutenschau Brüssel 1998 und Mutter der Hengste San Amour I und II.
Den Katalog für die Elite-Stutenschau finden Sie hier.
Die Liste mit den Brillantringstuten der vergangenen Jahre finden Sie hier.
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