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Oldenburg Close-Up: Manon Claeys

Die belgische Dressurreiterin Manon Claeys und ihr bildschöner Rappwallach San Dior, geb. 2008, v. Stedinger a.d. De Nila v. De Niro - Welt Hit II - Manstein - Luxus - Vollkorn xx, Z.: Albert Liekens, Belgien, B.: Ingrid Thilleman, Manon und Philippe Claeys, Belgien, haben bei ihren ersten Paralympischen Spielen in Tokio mit dem Gewinn von zwei Bronzemedaillen die Para-Equestrian-Szene aufgemischt. San Diors Mutter De Nila ist die Schwester der beiden Grand Prix-erfolgreichen Semper Fidelis v. Sir Donnerhall I mit Heather Blitz aus den USA und Dundee v. De Niro mit Barbara Ries im Sattel.

Wann hast du mit dem Reiten begonnen?

Manon Claeys: „Als ich etwa fünf Jahre alt war, habe ich meine Eltern angefleht, mich auf einem Pony reiten zu lassen. Da ich zu jung war, um in Belgien mit dem Reiten anzufangen, fuhr mich meine Mutter regelmäßig freitags und samstags in die Niederlande. Als ich zwölf Jahre alt war, bekam ich schließlich mein eigenes Pony."

Du hattest 2007 einen schweren Reitunfall. Wie bist du nach dem Unfall damit umgegangen? Woher hast du die Kraft genommen, danach weiterzumachen?

„Als ich 21 Jahre alt war stürzte ich von einem jungen Pferd, als ich versuchte aufzusitzen. Das Pferd hat sich erschreckt und ist weggesprungen. Ich fiel mit dem Rücken auf den Beton und brach mir drei Wirbel, außerdem hatte ich eine Fraktur im Genick. Einer der Ersthelfer sagte mir, dass ich dem Pferd im Weg sei und wollte, dass ich aufstehe und mich vom Pferd wegbewege. Während ich das versuchte, drückte ein Stück des gebrochenen Wirbels gegen meine Wirbelsäule. Ich war in beiden Beinen gelähmt. Man sagte mir, dass ich innerhalb von 24 Stunden operiert werden muss, um eine dauerhafte Lähmung zu vermeiden. Das war definitiv ein Schock für mich. Die Operation dauerte sieben Stunden und als ich aufwachte, fragte ich den Arzt sofort: „Wann kann ich wieder reiten“? Letztendlich hat es zwei Jahre gedauert bis das wieder möglich war. Am Anfang war es sehr schwer für mich mit allem fertig zu werden. Ich war 21 und da hat man andere Pläne im Leben, als sich in der Reha zu befinden. Allerdings habe mich immer als eine positive und starke Person empfunden. Ich bin eine Kämpfernatur und sehe das Glas immer halb voll und nicht halb leer. Als ich wieder mit dem Reiten anfing hatte ich anfangs große Angst, auf ein Pferd zu steigen, denn dabei war ja der Unfall passiert. Ich habe mich seitdem immer vergewissert, dass das Pferd gesichert ist, wenn ich aufsteige. Wenn ich auf dem Pferd sitze, ist alles in Ordnung. Ich schätze mich sehr glücklich, denn ich kann immer noch das tun, was ich liebe. Ich habe eine Behinderung, meine Kraft auf der rechten Seite beträgt nur noch 30 %, aber ich bin nicht behindert. Ich bekomme Chancen, die ich sonst wahrscheinlich nie bekommen hätte. Ich war Teilnehmerin bei den Paralympics, den Weltreiterspielen und bin bereits zwei Europameisterschaften geritten und konnte dort Medaillen gewinnen. Das ist wunderbar und dafür bin ich sehr dankbar."

Wie viele Pferde besitzt bzw. reitest du?

„Wir besitzen sechs Pferde. Die meisten sind jung. Und dann ist da natürlich noch San Dior. Alle Pferde sind unverkäuflich, was mich in eine sehr glückliche Lage versetzt. Ich muss mir diesbezüglich keine Sorgen machen und kann mich voll und ganz auf mein Training konzentrieren."

Seit wann sind du und San Dior ein Team und wo hast du ihn entdeckt?

„Wir haben San Dior 2016 in den Niederlanden entdeckt. Er galt als ziemlich schwierig. Als er jung war wurde er zu sehr gefordert und das war zu viel Druck für ihn. Irgendwann wollte er gar nicht mehr arbeiten. Das war auch der Grund, weshalb ich ihn überhaupt kaufen konnte. Sonst wäre er zu teuer oder womöglich gar nicht zu verkaufen gewesen. Er ist ein sehr talentiertes Pferd, aber auch sehr speziell. Er hat sehr viel Blut, ist 1,82 m groß und sehr sensibel. Als San Dior und ich unser erstes nationales Turnier bestritten, qualifizierten wir uns sofort für ein internationales Turnier in Doha, Katar. Ich war so glücklich. Aber als wir in die Arena in Doha einritten, steckte er seine Zunge über das Gebiss seiner Kandare. Nichts funktionierte mehr. Ich war eine ganze Woche lang dort, aber bei jedem einzelnen Wettbewerb musste ich die Hand heben und aufgeben, weil er es jedes Mal wiederholte. Ich war niedergeschmettert und verzweifelt. Die Leute um mich herum sagten mir, ich sei noch nicht bereit, mit ihm an Wettkämpfen teilzunehmen und er sei vielleicht doch nicht die beste Wahl für mich. Ich wollte ihn aber nicht hergeben, also entschied ich mich dazu, einige Dinge zu verändern. Zunächst einmal habe ich ihn nicht mehr auf Kandare geritten. San Dior hat die Trense immer geliebt, also ließ ich ihn gewähren. Von da an war alles anders. Er war viel glücklicher und so einfach zu reiten. Er hat nie mehr seine Zunge über das Gebiss gelegt. Auch einige Trainingsmethoden haben wir geändert, denn San Dior ist kein Pferd, das man zu irgendetwas zwingen kann. Wir haben sehr hart gearbeitet und am Ende hat es sich ausgezahlt. 2017 nahm ich das erste Mal wieder an internationalen Wettbewerben teil, und von da an waren wir jedes Mal unter den ersten drei. Ich habe immer an San Dior geglaubt und ihn nie aufgegeben. Im Gegenzug hat er mir gedankt und mich nie wieder im Stich gelassen."

Was macht ihn so besonders?

„San Dior ist sehr auf mich fixiert. Er liebt meine Aufmerksamkeit, deshalb kümmere ich mich auch immer zuerst um ihn. Wenn ich das nicht tue, wird er mürrisch und bleibt den ganzen Tag lang so. Er ist ein echtes Charakterpferd."

Was sind deine Ziele für 2022?

„Ich würde gerne ein paar jüngere Pferde auf internationalen Turnieren starten, um einen Ersatz für San Dior zu haben. Ich möchte nicht, dass die ganze Erwartung auf Dauer nur auf ihm lastet. Außerdem werde ich mich auf die Weltmeisterschaften in Herning vorbereiten. Vor allem aber hoffe ich, dass alle gesund und glücklich bleiben."

Foto oben: Manon Claeys bei den Oldenburger Hengst-Tagen 2021. (ten Brink-Schempf)

Foto unten: Manon Claeys und San Dior in Aktion. (de Koster)

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