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„Für mich gibt es nicht das Schema-F“

Pferdezucht und -sport sind im rasanten Wandel. Was erwartet uns in Zukunft? Diese Frage möchten wir mit Ihnen und vielen hochkarätigen Referenten am 6. März beim Liebenberger Pferdeforum diskutieren. Unser Thema in Liebenberg: Ausbildung junger Pferde. Erst kürzlich begeisterte die 29-jährige Lena Waldmann mit ihrem Oldenburger Hengst Fiderdance v. Fidertanz beim Frankfurter Festhallenturnier auf dem Silberrang im Finale des Louisdor Preises. Und auch beim Jahresauftakt in Münster begeisterte die Dressurausbilderin mit harmonischen Vorstellungen. In diesem Jahr freut sich Lena Waldmann, als Referentin beim Liebenberger Pferdeforum dabei zu sein und sich gemeinsam mit den anderen Referenten mit dem Thema Jungpferdeausbildung auseinanderzusetzen. Wir haben im Vorwege mit der jungen Amazone über ihre Schwerpunkte in der Pferdeausbildung gesprochen und wie sich Sport und Zucht optimal verbinden lassen. Hier finden Sie bereits einige Impressionen: https://youtu.be/-YcFcXOUqcY

Frau Waldmann, was fasziniert Sie an der Ausbildung junger Pferde besonders?

„Es macht einfach Spaß, ein qualitätvolles Pferd von Anfang an unter dem Sattel zu haben. Durch eine reelle Ausbildung stellt man die entscheidenden Weichen für eine spätere Sportkarriere. Mich fasziniert besonders das Vertrauen und die Bindung, die die jungen Pferde zu einem entwickeln. Oft ist es genau dieses Zünglein an der Waage, welches den späteren Erfolg ausmacht.“

Welche Schwerpunkte legen sie in der Jungpferdeausbildung?

„Das A und O der Ausbildung in jeder Altersklasse ist die Durchlässigkeit. Wenn diese Basis nicht stimmt, kann ein Pferd nie die volle Leistung erbringen.“

Welche Eigenschaften sind Ihnen bei jungen Pferden wichtig?

„Grundvoraussetzung ist natürlich immer eine gewisse Grundqualität. Zudem ist mir die Einstellung und Leistungsbereitschaft immens wichtig. Häufig ist diese sogar wichtiger als die Qualität an sich. Ein Pferd, welches rittig ist und Gutes leisten will, ist im Endeffekt oft sehr viel leichter auszubilden als ein Pferd mit herausragender Qualität aber mangelnder Arbeitseinstellung.“

Gibt es eine bestimmte Philosophie, die Sie verfolgen? 

„Für mich gibt es nicht das „Schema-F“ in der Ausbildung. Pferde sind sehr individuell und das sollte in der Ausbildung unbedingt beachtet werden. Viele Wege führen nach Rom und so muss man eben ausprobieren, auf welchem Wege ein spezielles Pferd die nächste Lektion am besten lernt. Ganz wichtig ist, denke ich, die Abwechslung und faire Behandlung des Pferdes. Ich greife hier auch gerne mal auf unkonventionelle Methoden zurück. Oft lernen Pferde spielerisch, beispielsweise ohne Sattel, an der Hand oder auf dem Geländeplatz, sehr viel besser, als beim monotonen Wiederholen ein und derselben Lektion in der Halle. Das Wichtigste für mich ist es, ein motiviertes Pferd zu haben, was von selber lernen will.“

Wo nehmen Sie Ihr Wissen und Können über die Jungpferdeausbildung her?

„Das habe ich mir größtenteils selbst angeeignet. Es geht hier viel mehr um das Gefühl für das Pferd und die Situation als um richtig oder falsch. Zudem verbringe ich viel Zeit damit, mir Videos der Ritte prominenter Reiter anzusehen, davon zu lernen und aus der Vielzahl positiver Eindrücke mein eigenes System zu konzipieren.“

Wie denken Sie, werden die neuen Leitlinien zur ‚Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten‘ das Vorstellen junger Pferde verändern?

„Ich hoffe sehr, dass die neuen Leitlinien zu einem Umdenken führen werden. Ich bin ein großer Verfechter des nicht zu frühen Einsatzes junger Pferde auf dem Turnier. Ein öffentliches Vorstellen dreijähriger Sportpferde halte ich für äußerst kontraproduktiv. Die Pferde befinden sich zu dieser Zeit noch sehr stark im Wachstum und sind meiner Meinung nach physisch und mental nicht bereit für Höchstleistungen. Ich bemühe mich sehr, dies so schonend wie möglich zu gestalten und habe das Glück, auf dem Gestüt Bonhomme ohne Druck arbeiten zu können. Dennoch würde ich mir als Sportreiter wünschen, meine qualitativ so vielversprechenden Hengste noch schonender ausbilden zu können. Der frühe Zeitpunkt der Sportprüfungen ist das Hauptproblem. Es ist ein hehrer Anspruch und mit viel Vorbereitung verbunden, bereits zu diesem Zeitpunkt die für die Aufgabe benötigte Balance, Kraft und Lektionssicherheit adäquat präsentieren zu können.“

Wie lassen sich Sport und Zucht optimal vereinen?

„Ich denke, das funktioniert nur mit einem sehr guten Management. Die körperliche und mentale Belastung der Körung geht an kaum einem spurlos vorbei. Daher halte ich es für extrem wichtig, genau herauszufinden, welchem Hengst ich was zumuten kann. Auch wenn die Hengste älter sind, gilt es individuell zu entscheiden. Die Hengste reagieren sehr unterschiedlich auf die Doppelbelastung. Einige kommen damit sehr gut zurecht, andere benötigen Zeiten, in denen sie sich nur auf das eine oder andere konzentrieren müssen, sprich entweder das Deckgeschäft oder den Sport. Wir bemühen uns sehr, im Team die richtigen Entscheidungen zu treffen und den Spagat zwischen Verfügbarkeit und Sportkarriere möglichst vorteilhaft für Hengste und Züchter zu gestalten. Am Ende ist es auch in dieser Frage das Wichtigste, dass die Hengste Spaß am Sport haben. Auf dem Turnier habe ich natürlich mehr Zeit für den Einzelnen und so genießen sie die Turnierausflüge und Sonderbehandlung richtig.“

Das Interview führte Katharina Teutsch

Wollen auch Sie beim Liebenberger Pferdeforum dabei sein, spannende Vorträge erleben und mit Fachleuten aus der Branche sprechen? Dann melden Sie sich nun an: Das Tagesseminar startet um 10.00 Uhr und endet ca. um 17.00 Uhr. Die Teilnahmegebühr beträgt 30 Euro pro Person für Abonnenten vom Züchterforum, Mitglieder des Oldenburger Pferdezuchtverbandes und für Persönliche Mitglieder der FN (PM) sowie 40 Euro für Nichtmitglieder. Erstklassige Verköstigungen während des Tages sowie Getränke sind im Preis enthalten. Sie haben Interesse an einer Teilnahme am 7. Liebenberger Pferdeforum? Dann melden Sie sich hier an. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, deshalb ist eine verbindliche Anmeldung bis spätestens 24. Februar erforderlich. Hotelbuchungen für Übernachtungen im Schloss & Gut Liebenberg, Parkweg 1a, 16775 Löwenberger Land, Ortsteil Liebenberg, können Sie unter +49(0)33094-700500 oder www.schloss-liebenberg.de vornehmen. Bei der Buchung bitte das Stichwort „Pferdeforum“ angeben.

Foto: Unbeschwert und sympathisch präsentiert Lena Waldmann die Kunst der Dressurausbildung. Sie begeistert mit den Hengsten des Gestüts Bonhomme in allen Ausbildungsstufen – vom Junghengst bis zum Grand Prix-Star. (Slawik)

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